Auswirkungen der Klinikreform
Villingen-Schwenningen/Donaueschingen. Der Aufsichtsrat des Schwarzwald-Baar Klinikums hat am 16. Juli 2026 den Jahresabschluss für 2025 festgestellt. Neben der nicht ausreichenden Refinanzierung hoher Kosten bestimmen vor allem die Auswirkungen der Klinikreform, das so genannte Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz, das Jahr 2025. Es geht um eine zukunftsorientierte und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Ausrichtung des Schwarzwald-Baar Klinikums. Die Fallzahlen ambulanter Behandlungen sind gestiegen. Das Ergebnis fällt besser aus als erwartet.
„Im vergangenen Jahr trafen die Anforderungen der Klinikreform bundesweit auf Kliniken, deren wirtschaftliche Lage meist angespannt ist“, erklärt Dr. Matthias Geiser, Geschäftsführer des Schwarzwald-Baar Klinikums. „Auch unser Aufsichtsrat hat sich intensiv mit den Auswirkungen der Reform beschäftigt. Es gilt, als Antwort auf geänderte Voraussetzungen teilweise neue Konzepte und Strukturen zu entwickeln. Gleichzeitig bleibt die tägliche Patientenversorgung unsere Hauptaufgabe. Unsere Beschäftigten haben sich nicht nur herausragend für die ihnen anvertrauten Menschen engagiert: Sie haben auch viel Verständnis und Geduld bewiesen in einem Jahr, dass von anstehenden Veränderungen geprägt war. Dafür danke ich der Belegschaft sehr.“
Leistungszahlen
Das Schwarzwald-Baar Klinikum verzeichnet für 2025 insgesamt rund 44.000 stationär und 180.000 ambulant versorgte Patienten. Durchschnittlich war ein Patient knapp sechs Tage im Klinikum. Die Anzahl der im Klinikum auf die Welt gekommenen Kinder lag ähnlich hoch wie im Jahr zuvor: 2025 wurden 2.338 Babys im Klinikum geboren, es waren 1.148 Mädchen und 1.190 Jungen. Es gab im vergangenen Jahr 55 Zwillingsgeburten.
Das Leistungsniveau im stationären Bereich ist vergleichbar mit dem Vorjahr. Hingegen ist die Anzahl der ambulant versorgten Patienten weiter nach oben geklettert: Einmal mehr spiegeln die Zahlen wider, dass medizinische Leistungen – wie politisch gewollt – zunehmend aus dem stationären in den ambulanten Bereich verlagert werden. Entsprechend ist die Anzahl der abgerechneten sogenannten Hybrid-DRGs gestiegen – das sind Pauschalbeträge für Versorgungsleistungen, die sowohl ambulant beziehungsweise mit nur kurzem Aufenthalt als auch stationär vorgenommen werden können.
Das Schwarzwald-Baar Klinikum verzeichnet 2025 einen Umsatz von 351 Millionen Euro. Das entspricht einer Steigerung von etwa 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ist bedingt durch höhere Erlöse bei Krankenhausleistungen und der steigenden Anzahl ambulanter Behandlungen. Gleichwohl konnte diese positive Entwicklung die zwischenzeitlich noch weiter gestiegenen Investitions- und Personalkosten nicht ausgleichen. Insgesamt hat das Schwarzwald-Baar Klinikum einen Jahresfehlbetrag von 3,98 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Ergebnis fällt damit besser aus als ursprünglich im Wirtschaftsplan angedacht, im Vergleich zu 2024 hat sich der Fehlbetrag mehr als halbiert. „Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die wirtschaftliche Lage des Klinikums verbessert“, erläutert Dr. Geiser. „Aber die Situation ist nicht zufriedenstellend: Die Kosten steigen weiter und werden nicht refinanziert, trotz aller Anstrengung können die Einnahmen die Ausgaben nicht decken.“
Aufgrund der unzureichenden Investitionsförderung des Landes müssen notwendige Investitionen teilweise aus dem Betriebsergebnis finanziert werden. Das Schwarzwald-Baar Klinikum hat im vergangenen Jahr rund 14 Millionen Euro investiert, unter anderem in ein zusätzliches Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Zimmern sowie in hochmoderne Geräteausstattung und -verfahren für die spezialisierte Patientenbehandlung.
Die Mitarbeiterzahlen sind weiterhin stabil. Auch in 2025 konnte die Anzahl der Beschäftigten im Pflegedienst gesteigert werden. Insgesamt zählte das Klinikum 2025 im Schnitt 2.263 Vollkräfte, das sind rund 3.300 Mitarbeiter. Dazu kommen etwa 180 Personen in der Klinikum-Service GmbH. Aus der Krankenpflegeschule wurden im vergangenen Jahr 26 examinierte Fachkräfte übernommen. Auf die Förderung des Nachwuchses wird traditionell viel Wert gelegt: Zusätzlich zu verschiedenen Ausbildungen bietet die hauseigene Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe ein breit aufgestelltes Fort- und Weiterbildungsprogramm an.
Ausblick 2026
2025 ist die Klinikreform in Kraft getreten. Sowohl der Aufsichtsrat als auch die Klinikleitung haben sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Änderungen in den Strukturen mit den neuen Anforderungen einhergehen. Mit großer Mehrheit ist in den Gesellschaftergremien im Frühjahr 2026 die Entscheidung für die neuen Strukturen gefallen: Der Klinikums-Standort Donaueschingen wird nach einer längeren Übergangsphase aufgegeben, ein Anbau am Standort Villingen-Schwenningen wird geplant.
„Die Zentralisierung der Leistungen am Standort Villingen-Schwenningen ist eine wesentliche Maßnahme, um das Klinikum zukunftsorientiert und wirtschaftlich tragfähig auszurichten“, so Dr. Geiser. „Wir bündeln Kräfte, um unseren Patienten weiterhin eine moderne und sehr gute medizinische und pflegerische Versorgung bieten zu können. Wir entwickeln uns und unser Angebot stets weiter und schaffen gute Strukturen. Bereits 2024 haben wir gemeinsam mit externen Sachverständigen nach Wegen gesucht, unsere Abläufe und Strukturen nochmals zu verbessern und Kosten zu optimieren. Diese Arbeit trägt nun Früchte. Allerdings kommen mit dem nun verabschiedeten Beitragssatzstabilisierungsgesetz erneut massive finanzielle Einschnitte auf das Klinikum zu. Das wirft uns wieder große Schritte zurück. Es ist unseren Beschäftigten, die sich täglich unglaublich für die Patienten einsetzen, kaum mehr vermittelbar. Und letztlich wird es zu Lasten der Bevölkerung gehen, wenn die Krankenhäuser dauerhaft nicht auskömmlich finanziert werden.“