Prostata-Karzinom-Zentrum
Seit geraumer Zeit waren Erkrankungen der Prostata den Ärzten bekannt. War doch eine gutartige Prostatavergrößerung bis zum 19. Jahrhundert als Todesursache aufgrund der dadurch bedingten Harnstauung und quasi Nierenversagen bekannt. Die Urologie der frühen Stunde befasste sich bereits eingehend mit der Diagnostik und Therapie der Prostataerkrankungen.
Inzwischen hat die Urologie eine enorme wissenschaftliche und technische Entwicklung erfahren. Ein großes Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten stehen zur Verfügung. Doch maßgeblich für den Behandlungserfolg des Urologen ist seine Erfahrung und ständige Auseinandersetzung mit den Neuerungen dieses spezialisierten Faches. Es ist immer mehr notwendig, diese Erfahrungen und das ärztlich-urologische Können unter Beweis zu stellen. Dies geschieht auch durch eine unabhängige Zertifizierung.
Unter Federführung der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Direktor Prof. A. Lampel, bieten die
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Direktor Prof. Dr. S. Mose, und der
Klinik für Innere Medizin II Hämatologie/Onkologie, Direktor Prof. Dr. W. Brugger, sämtliche diagnostische und therapeutische Optionen bezüglich aller Prostataerkrankungen an. Dies beinhaltet die entzündlichen und vor allem tumorösen Veränderungen der Prostata (gutartige Prostatavergrößerung und Prostatakrebs).
Bei den vielfältigen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten verweisen wir auf die Leistungsspektren der beteiligten Kliniken (siehe oben).
Gutartige Prostatavergrößerung
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein kastaniengroßes Organ, welches unterhalb der Blase liegt und die Harnröhre umschließt. Ihre Aufgabe ist hauptsächlich die Produktion eines Teils der Samenflüssigkeit. Mit zunehmendem Alter beginnt die Prostata bei nahezu allen Männern gutartig zu wuchern. Bei fast 80 % aller 60 jährigen besteht eine solche Vergrößerung, etwa 80% aller Männer bekommen im Laufe ihres Lebens Blasenentleerungsprobleme. Die Hälfte der betroffenen Männer kann medikamentös behandelt werden, nahezu 50% aller Männer müssen sich einem operativen Eingriff unterziehen.
Die geklagten Probleme sind eine Harnstrahlabschwächung bis zum Harnverhalt, gehäufter Harndrang, vermehrtes nächtliches Wasserlassen, eine Startverzögerung sowie auch Nachträufeln. Diese Symptome können in zunehmendem Maße zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führen. Eine operative Therapie ist notwendig, wenn die Entleerung der Blase sich so verschlechtert, dass es zu einer zunehmenden Restharnbildung kommt.
Die Diagnostik umfasst die genaue Erhebung der Vorgeschichte, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen einschließlich des PSA-Wertes (zum Ausschluß einer bösartigen Veränderung), rektale Abtastung und den Ultraschall. Röntgenuntersuchungen sowie eine Spiegelung können optional notwendig sein.
Die primäre Therapie hält sich an ein medikamentöses Stufenschema, je nach Ausprägung der Symptome und des Restharnes. Ist eine operative Sanierung notwendig, können heute über 95% aller Eingriffe minimal invasiv endoskopisch durch die Harnröhre durchgeführt werden. Goldstandard ist die sogenannte "Hobelung" der Prostata durch eine elektrische Schlinge über die Harnröhre, die in unserer Klinik nahezu 400 Mal pro Jahr angewendet wird. Eine hochmoderne Alternative ist die Laserabtragung mit dem "Green-Light" Laser. Die Methode ist sehr schonend, der Krankenhausaufenthalt und die Notwendigkeit eines Katheters ist kürzer. Allerdings kann die Methode nicht in allen Fällen zur Anwendung kommen. Bei sehr stark vergrößerten Drüsen muss eine offene Prostataausschälung durch einen Unterbauchschnitt als offen operative Variante erfolgen.
Prostatakarzinom
Der Prostatakrebs ( Prostatakarzinom ) steht bei den bösartigen Krebsformen des Mannes weltweit an erster Stelle. Durch Einsatz moderner medizinischer Möglichkeiten können Prostatakarzinome frühzeitig, d.h. in einem kurativ behandelbaren (heilbaren) Zustand entdeckt werden. Durch gezielte Früherkennung konnte die Sterblichkeit bei Prostatakarzinomen nachweislich gesenkt werden.
Allerdings sind Männer was die Vorsorgeuntersuchung betrifft nach wie vor sehr schwer zu motivieren. Während Frauen diese Möglichkeit in über 60% regelmäßig wahrnehmen, sind es bei Männern mal eben 10-15%. Dies ist ein Spiegel der unterschiedlichen Beziehung zur Gesundheitspflege und Körperbewußtseins zwischen Frau und Mann, der sich in der konsekutiv niedrigeren Lebenserwartung von Männern widerspiegelt.
Besteht der Verdacht auf ein Prostatakarzinom (Tastbefund, PSA = prostataspezifisches Antigen), muss eine Gewebeprobe unter rektaler Ultraschallsteuerung stattfinden.
Ist ein Prostatakarzinom nachgewiesen worden, muß überprüft werden, ob dieser Tumor auf die Prostata begrenzt ist. In diesem Fall kann durch die komplette Entfernung der Prostatadrüse ( radikale Prostatektomie ) die Heilung angestrebt werden. Die sogenannte Totaloperation hat sich in diesem Stadium als Goldstandard erwiesen. Je früher der Krebs festgestellt wird, desto schonender kann operativ vorgegangen werden. Während die Kontinenz operateur- und technikabhängig unabhängig vom Krebsstadium eigentlich grundsätzlich bei ≥95% liegen sollte, können die Potenznerven bei rechtzeitiger Diagnosestellung zumindest einseitig und in vielen Fällen auch beidseitig geschont werden. Hier sind - natürlich abhängig von der vorbestehenden Manneskraft- Potenzraten in bis zu 80% erreichbar.
Bei Patienten, bei denen aus unterschiedlichen Gründen keine radikale Prostataoperation möglich ist, kann mittels hochintensiver Ultraschalltherapie (HIFU = High Intensity Focused Ultrasound ) ebenfalls eine Heilung erzielt werden.
Bei kleinem abgegrenzten Prostatakrebs kann auch eine Heilung durch ultraschallgesteuerte Platzierung von strahlenden Stäbchen (sog. SEED´s) angestrebt werden.
Alternativ zu den o.g. Behandlungen besteht die Möglichkeit einer Strahlentherapie, die ebenfalls wieder bei nicht für die Operation geeigneten Patienten mit z.B. ausgedehnteren Tumoren indiziert ist.
Im Falle eines bereits fortgeschrittenen Prostatakarzinoms, bei dem keine lokale Heilung mehr möglich ist, kann mit verschiedenen Therapieoptionen jedoch eine beachtliche Lebensverlängerung und Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Hierzu gehört in erster Linie der konservativ oder operativ herbeigeführte Hormonentzug (Testosteronentzugstherapie), die Bestrahlung (hauptsächlich von Knochenmetastasen) oder die Chemotherapie, um die wichtigsten Möglichkeiten zu nennen.
In jedem Stadium der Prostatakrebserkrankung können supportive (unterstützende) Maßnahmen eingesetzt werden, die zu einem verbesserten Krankheitsverlauf oder Steigerung der Lebensqualität beitragen. Hierzu gehören die Einnahme von Spurenelementen, eine optimierte Schmerzbehandlung, die Applikation von Knochen aufbauenden Medikamenten usw..
Es ist ein Fehlglaube, dass der Prostatakrebs harmlos sei. Auch im hohen Alter kann er zu stark beeinträchtigenden Komplikationen führen. Es ist daher auf alle Fälle besser, ihn so frühzeitig wie möglich zu diagnostizieren und einer noch möglichst heilenden Therapieform zuzuführen. Hier ist eine breite Erfahrung auf dem Gebiet und die Möglichkeit der Nutzung des gesamten Arsenals(operativ, gerätetechnisch) enorm wichtig, um eine adäquate und an der Lebensqualität orientierte Therapie mit optimalem Ergebnis anbieten zu können.








