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Klinikum hautnah
03/03/2022
Adipositas: Erfolgsgeschichte einer Patientin
Jennifer Marquardt aus Tuttlingen brachte einst ein Gewicht von über 135 Kilogramm auf die Waage. Mittlerweile wiegt die Patientin 60 Kilogramm und fühlt sich rundum wohl in ihrem Körper. „Mein Weg von der Diagnose Adipositas bis zum Erreichen meines Wunschgewichts war lang und hart“, sagt die 37-Jährige. „Aber ich habe ihn gemeistert, und zwar mithilfe der Ärzte und Pflegekräfte des Adipositas-Zentrums Südwest.“ Hier erzählt sie ihre Geschichte.
„Übergewichtig war ich bereits als Jugendliche“, erinnert sich Jennifer Marquardt. „Ich nahm an verschiedenen Abnehmkuren teil, doch leider ohne langfristigen Erfolg.“ Immer wieder setzte der Jo-Jo-Effekt ein: „Nach den Diäten habe ich schnell wieder an Gewicht zugelegt – und wog danach meist mehr als vorher“, erzählt Marquardt. Im Oktober 2019 erreicht die damals 35-Jährige ihr Höchstgewicht: 135,6 Kilogramm zeigt die Waage an. Die Mutter von drei Kindern leidet unter Kurzatmigkeit und Knieproblemen, das Treppensteigen ist eine Qual für sie. „Das Schlimmste war, dass ich meinen Kindern nicht mehr nachlaufen konnte“, so Marquardt. „Ich traute mich gar nicht mehr vor die Tür.“

Von der Diagnose Adipositas zur Magenschlauch-Operation
Im Herbst 2019 fasst Jennifer Marquardt den Entschluss, sich wegen ihres Übergewichts behandeln zu lassen. Im Schwarzwald-Baar Klinikum spricht sie mit Dr. med. Silke Mertmann, Fachärztin für Viszeral- und Adipositaschirurgie und Leiterin des Adipositas-Zentrums Südwest. „Mit einem Body-Mass-Index von 42 hatte Frau Marquardt ein massives Übergewicht“, erzählt Dr. Mertmann. Für die Berechnung des BMI wird das Körpergewicht in ein Verhältnis zur Körpergröße gesetzt (Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat). Ab einem BMI-Wert von 30 spricht man von einer Adipositas, ab einem Wert von 40 von einer morbiden Adipositas, der schwersten Form der Fettleibigkeit. Die Ärztin erklärt: „In diesem Stadium ist das Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Tumorerkrankungen stark erhöht. Studien haben gezeigt, dass es die Lebensdauer der Betroffenen verkürzt – daher auch der Ausdruck ‚morbid‘.“

Dr. Mertmann erzählt weiter: „Um das krankhafte Übergewicht von Frau Marquardt in den Griff zu bekommen, haben wir zunächst mit einer klassischen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie begonnen.“ Doch selbst nach einem halben Jahr stellte sich kein Abnehmerfolg ein. „Nach einer umfassenden Beratung und Aufklärung hat sich Frau Marquardt dann für eine Magenschlauch-Operation entschieden“, so die Ärztin. „Durch den operativen Eingriff wird das Magenvolumen um etwa 80 bis 90 Prozent reduziert. Es kommt quasi zu einer Verkleinerung des Magens in ein schlauchförmiges Gebilde.“ Der verbleibende Teil des Magens kann nur noch wenig Nahrung aufnehmen, beim Essen entwickeln die Patienten schneller ein Sättigungsgefühl.

Und tatsächlich: Nach der Operation im Juni 2020 und einem fünftägigen Aufenthalt im Klinikum fühlt sich Jennifer Marquardt zunächst immer besser. „Von Woche zu Woche habe ich an Gewicht verloren und meine Lebensfreude kam zurück“, erzählt die Patientin.
Umwandlungsoperation zu Magenbypass
Im November 2020 entwickelt Jennifer Marquardt Sodbrennen und die Magenspiegelung bestätigt eine Speiseröhrenentzündung. Diese Spät-Folgeerkrankung kann bei „etwa 20 Prozent der Patienten in den ersten Jahren nach einer Magenschlauch-Operation auftreten“, so Dr. Mertmann. „Das heißt, Magensäure fließt zurück in die Speiseröhre, was zu einem unangenehmen Brennen und einer Verätzung der Speiseröhre führen kann.“ Im Februar 2021 wird die Patientin daher erneut operiert und der Magenschlauch in einen Magenbypass umgewandelt. Die Ärztin erläutert: „Bei der Magenbypass-Operation wird nicht nur der Magen stark verkleinert, auch der Zwölffingerdarm wird aus der Magenpassage ausgeschaltet.“ Das eine Ende des Darmes wird an den kleinen Magenrest angeschlossen, das andere so umgeleitet, dass sich die Nahrung und die Verdauungssäfte erst im mittleren Dünndarm vermengen. Durch diese Umleitung wird ein Teil der Nährstoffe und Kalorien gar nicht erst aufgenommen und unverdaut wieder ausgeschieden. „Wie der Magenschlauch lässt sich auch der Magenbypass minimal-invasiv, das heißt mit wenigen kleinen Schnitten, operieren“, betont die Chirurgin. Nach dem Eingriff blieb die Patientin sieben Tage im Klinikum.

Im Fall von Jennifer Marquardt war die Umwandlungsoperation die richtige Entscheidung: „Zum einen konnten wir so den Reflux erfolgreich behandeln und zum anderen eine erneute Gewichtszunahme verhindern“, erklärt Dr. Mertmann.

Start in ein neues Leben
Auch ein Jahr nach der Umwandlungsoperation ist die Patientin sehr zufrieden. „Mein Gewicht hat sich bei 60 Kilogramm eingependelt und es geht mir sehr gut“, erzählt sie glücklich. Sie ist überzeugt: „Die Behandlung im Adipositas-Zentrum Südwest hat mir ein neues Leben geschenkt. Ich kann endlich die Kleidung tragen, die mir gefällt.“ Und das Wichtigste: „Ich kann mit meinen drei Kindern spielen und ohne Probleme mit ihnen mitlaufen.“

Kompetente Anlaufstelle für Adipositas-Patienten
Das Adipositas-Zentrum Südwest am Schwarzwald-Baar Klinikum ist ein zertifiziertes Referenz-Zentrum für Patienten mit schwerem Übergewicht und Adipositas. Es ist regional und überregional bekannt für seine Behandlungsqualität und hohen Standards. In dem Zentrum arbeitet ein interdisziplinäres Team von Internisten, Adipositas-Chirurgen, Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapeuten Hand in Hand zusammen. Bei jährlich etwa 400 Patienten werden circa 150 Operationen durchgeführt. In der Sprechstunde ist ein unverbindlicher Beratungstermin möglich.

 

Unsere Expertin:

Dr. med. Silke Mertmann
Fachärztin für Viszeralchirurgie, Proktologie, Adipositaschirurgie
Oberärztin in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

 

Weitere Informationen:

> Adipositas-Zentrum Südwest (AZS)

> Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

> Krankhaftes Übergewicht (Morbide Adipositas)


Kontakt:
Schwarzwald-Baar Klinikum
Adipositas-Zentrum Südwest
Dr. med. Silke Mertmann
Klinikstr. 11
78052 Villingen-Schwenningen

Tel.: 07721 93-3374

 

Sekretariat/Anmeldung
Jennifer Felber
Tel.: 07721 93-3374
E-Mail: adipositas@sbk-vs.de

Die Anmeldung ist Montag und Mittwoch bis Freitag von 07.30 bis 12.00 Uhr besetzt.