Klinikums-Blog

Team der Schluckambulanz
Klinikum hautnah
16/12/2025
Häufiges Verschlucken – ein Fall für die Schluckambulanz
Bis zu 2.000 Mal schlucken wir circa 0,5 bis 1,5 Liter Speichel täglich. Doch was für die meisten Menschen automatisch und unbewusst funktioniert, wird für manche zur echten Herausforderung – nämlich dann, wenn das Schlucken nicht mehr richtig klappt oder sogar erhebliche Probleme verursacht. Das Spezialisten-Team in der Schluckambulanz im Schwarzwald-Baar Klinikum kümmert sich intensiv um genau dieses Problem.
In der so genannten Schluckambulanz – eine der wenigen in der Region – gehen die Mitarbeiterinnen Schluckstörungen auf den Grund. Die Schluckambulanz ist deshalb eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene.

Was steckt hinter einer Schluckstörung?
„Häufig entstehen Schluckbeschwerden und -störungen durch eine Nervenkrankheit wie Parkinson oder einen Schlaganfall“, erklärt Carina Sauer. Sie ist eine von sechs Logopädinnen im Schwarzwald-Baar Klinikum. Das gut eingespielte Team hat viel Erfahrung im Bereich der Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. „Aber auch Tumore im Kopf-Hals-Bereich oder eine Verletzung des Gehirns können solche Beschwerden auslösen. Für Betroffene sind die Folgen oft alltagsverändernd, denn sie können nur eingeschränkt oder sogar gar nicht mehr essen und trinken“, verdeutlicht Sauer die Auswirkungen einer Schluckstörung. „In letzterem Fall müssen Patienten dann künstlich ernährt werden“, erklärt Sybille Haas, ebenfalls Logopädin in der Schluckambulanz. „Das bedeutet, sie bekommen einen Schlauch zum Beispiel in die Nase bis zum Magen eingeführt, über den sie dann ernährt werden. Darüber hinaus droht die Gefahr, dass Betroffene sich schon am eigenen Speichel verschlucken und dabei sogar ersticken. Außerdem können durch das Verschlucken immer wieder Fremdkörper oder Flüssigkeiten in die Lunge kommen und eine Lungenentzündung auslösen. Das kann unter Umständen gefährlich werden“, veranschaulicht Haas, wie einschränkend eine Schluckstörung, auch als Dysphagie bekannt, sein kann. Entsprechend der Vorerkrankung machen gerade ältere Menschen einen großen Anteil der Patienten aus. Zu den typischen Symptomen einer Schluckstörung gehören:

  • Husten nach dem Essen
  • Feuchter Stimmklang
  • Feststecken von Nahrung im Hals
  • Unklares Fieber
  • Verschlucken
  • Unklarer Gewichtsverlust
  • Husten nach dem Trinken

 

Diagnose in der Schluckambulanz
Was kann man also tun, wenn man unter Schluckstörungen leidet? „Erstmal ist es wichtig, herauszufinden, warum das Schlucken nicht mehr wie gewohnt klappt und wo genau das Problem liegt“, erläutert die Logopädin Marilena Cataldo. „Für diese Diagnose können Patienten einfach einen Termin in unserer Schluckambulanz vereinbaren. Hier können wir dank moderner Technik und Methoden untersuchen, wie gut und sicher das Schlucken funktioniert“, führt Cataldo fort. Dafür wird ein dünner Schlauch, an dem vorne eine Kamera befestig ist – ein Endoskop – durch die Nase eingeführt. Dank der Kamera können die Expertinnen das Schlucken genauestens beobachten. Diese Untersuchung wird auch als „flexible endoskopische Evaluation des Schluckakts“ (FEES) bezeichnet und bringt wichtige Erkenntnisse für den folgenden Therapieplan.

Mitarbeiter aus der Schluckambulanz
Links: Franziska Wallace zeigt das Endoskop – ein dünner Schlauch, an dem vorne eine Kamera befestigt ist – das in der Untersuchung eine wichtige Rolle spielt. Rechts: Marilena Cataldo schreibt nach einer Untersuchung den Befundbericht.

Wie läuft die FEES-Untersuchung in der Schluckambulanz genau ab?

Die gute Nachricht vorneweg: Für eine FEES müssen sich Patienten nicht besonders vorbereiten und die Untersuchung ist sehr risikoarm. „Das dünne Endoskop wird durch den Nasengang geschoben“, beginnt Logopädin Luisa Schroeder den Ablauf zu erklären. „Dieser Teil der Untersuchung kann als unangenehm wahrgenommen werden, dauert aber nur kurz. Wenn die Kamera das Zäpfchen beziehungsweise das Gaumensegel passiert hat, spüren die meisten Patienten nur noch, dass etwas im Rachenraum ist, aber es drückt in der Regel nichts mehr“, entwarnt Schroeder, die die Bedenken vieler Patienten gut kennt. Mit Hilfe des Endoskops beobachten die Logopädinnen den Schluckvorgang. Die Patienten bekommen unterschiedlich feste Nahrungsmittel zum Schlucken: angefangen beim weichen Brei, über reine Flüssigkeit wie Wasser bis hin zum festen Knäckebrot. Alles wird unterschiedlich mit Lebensmittelfarbe eingefärbt, um die Nahrungsmittel von anderen Flüssigkeiten, wie zum Beispiel dem Speichel, unterscheiden zu können. Das ermöglicht eine genaue Diagnostik. „Klar ist, dass wir einem Patienten, der große Schwierigkeiten beim Schlucken hat, kein trockenes Knäckebrot geben“, ergänzt Cataldo.

Was der Patient zum Schlucken bekommt, stimmen die Logopädinnen individuell ab. „Können zum Beispiel Medikamente nicht richtig geschluckt werden, dann geben wir Placebo-Tabletten, um zu schauen, woher genau die Schluckstörung kommt“, erklärt Franziska Wallace, ebenfalls Logopädin in der Schluckambulanz, die Vorgehensweise. „Man sieht dann, ob es beispielsweise daran liegt, wie sich Zunge und Kehlkopf bewegen. Wenn die Patienten weder essen noch trinken können, schauen wir, wie der eigene Speichel geschluckt wird, denn auch das kann Aufschluss über die Dysphagie bringen“, ergänzt sie. Nach der Untersuchung können die Logopädinnen eine Empfehlung dazu geben, wie Patienten ihre Ernährung anpassen sollten. Außerdem schreiben sie einen ausführlichen Bericht mit der Diagnose an den niedergelassenen Arzt oder Therapeuten.

verschiedene Konsistenzen in der Schluckambulanz
Während der Untersuchung schlucken die Patienten verschiedene Nahrungsmittel. Die Logopädinnen beobachten dann mit einer Kamera, wie gut diese geschluckt werden können.

Ein Logopäden-Team mit viel Expertenwissen
Die FEES-Untersuchung erfordert eine spezielle technische Ausstattung sowie ein Anwender- oder noch besser ein Ausbilder-Zertifikat der Deutschen interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie e.V. „Als Team sind wir hier sehr gut aufgestellt und haben uns über die Jahre eine breite Expertise angeeignet“, berichtet Haas, die wie Sauer und Wallace als FEES-Ausbilderin auch andere Kollegen und Ärzte auf dem Gebiet der bildgebenden Dysphagie-Diagnostik schult. Insgesamt ist das Aufgabengebiet der Logopädinnen im Schwarzwald-Baar Klinikum sehr vielfältig. Unter anderem behandeln sie auch täglich Patienten, die stationär im Klinikum liegen, beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls. „Dabei arbeiten wir mit allen Abteilungen und verschiedenen Berufsgruppen wie Ärzten, Pflegefachkräften oder Physiotherapeuten zusammen“, ergänzt Wallace.


Expertinnen in der Schluckambulanz

Unser Expertenteam (von links):
Luisa Schröder, zertifizierte FEES-Anwenderin B. Sc. Logopädie, Sybille Haas, zertifizierte FEES-Ausbilderin
Vorsitzende Dysphagie Netzwerk Südwest, Franziska Wallace, zertifizierte FEES-Ausbilderin, M. Sc. Logopädie, Carina Sauer, zertifizierte FEES-Ausbilderin, M. Sc. Logopädie und Marilena Cataldo zertifizierte FEES-Anwenderin, M. Sc. Logopädie

 

Weitere Informationen:

Neurologie

Stroke Unit

 

Kontakt:
Schwarzwald-Baar Klinikum
Klinikstr. 11
78052 Villingen-Schwenningen

Chefarztsekretariat der Klinik für Neurologie
Sandra Seitz
Tel.: 07721 93-2201
Fax: 07721 93-92209
E-Mail: neu.logopaedie@sbk-vs.de