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20/06/2023
Die Krankenhausreform geht alle etwas an

Aktionstag „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“

Villingen-Schwenningen/Tuttlingen/Rottweil. Am 20. Juni 2023 hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zum bundesweiten Aktionstag unter dem Motto „Alarmstufe Rot – Krankenhäuser in Not“ aufgerufen. Das Vorhaben soll verdeutlichen, welche Rahmenbedingungen gegeben sein müssten, damit die geplante Krankenhausreform funktionieren kann. Das Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen, das Klinikum Landkreis Tuttlingen und das Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil beteiligen sich an der Aktion unter anderem mit einer Fotoaktion der Mitarbeiter und entsprechenden Beiträgen beispielsweise auf den Social-Media-Kanälen.

„Die politischen Entscheidungen und Vorhaben bezüglich der geplanten Reform und der Krankenhausfinanzierung in Deutschland geht alle Menschen etwas an, denn die Auswirkungen werden die Patienten zu spüren bekommen“, verdeutlicht Dr. Matthias Geiser, Geschäftsführer des Schwarzwald-Baar Klinikums seine Motivation, sich an der Aktion zu beteiligen. Er unterstützt die Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dass die Krankenhäuser umgehend finanziell stabilisiert werden müssen. „Es kann nicht sein, dass die Krankenhäuser einen wichtigen Bei-trag zur Daseinsfürsorge leisten sollen, gleichzeitig aber im Hinblick auf eine auskömmliche Vergütung ihrer Leistungen von der Politik im Stich gelassen werden.“

Im Raum stehen verschiedene Forderungen wie beispielsweise eine anhaltende Finanzierung der Inflationskosten und ein vollständiger Ausgleich der Personalkosten. „Einmalzahlungen als Antwort auf die Inflation sind nicht ausreichend, und die hohen Tarifabschlüsse für die Mitarbeiter werden ab 2024 enorm zu Buche schlagen“, so Dr. Geiser. Darüber hinaus geht es unter anderem um eine Absicherung der Fixkostenfinanzierung gegen Fallzahlschwankungen. „Der Gesundheitsminister hat versprochen, den wirtschaftlichen Druck von den Krankenhäusern zu nehmen, so dass sie aus dem Hamsterrad stetig steigender Fallzahlen rauskommen“, erklärt Dr. Geiser. „Das funktioniert aber nur, wenn die Vorhaltung von Krankenhausleistungen tat-sächlich angemessen vergütet wird. Dabei ist wichtig zu wissen: Zusätzliches Geld hat der Gesundheitsminister nicht eingeplant, stattdessen sollen nur die unzureichenden Mittel umverteilt werden.“

Klinikum Landkreis Tuttlingen
Dass die Krankenhäuser diesem Druck bei gleichzeitig gedeckelten Preisen für Krankenhausleistungen nichts entgegenzusetzen haben, darauf weist Dr. Sebastian Freytag, Geschäftsführer des Klinikums Landkreis Tuttlingen, hin: „Auch wir geraten zunehmend ‚in Not‘, die sich angesichts der Dramatik der Unterfinanzierung schnell zu einer existentiellen entwickeln könnte“, meint er. „Durch eigenes Handeln können wir dem kaum begegnen: Kostensteigerungen bei Personal und Sachkosten, zunehmender Verwaltungsaufwand, Belastungen aus deutlich unterfinanzierten Leistungen der Notfallversorgung, Unterfinanzierung von Investitionen in Digitalisierung und moderne Geräteausstattung stehen keine Einsparpotentiale gegenüber, die diese Schere schließen könnten oder durch die geleisteten, punktuellen Hilfen des Bundes geschlossen würden.“

Dr. Freytag betont, dass die Reformierung der Krankenhausstrukturen notwendig sei, die Einrichtungen in der Region seien zudem sehr gut darauf vorbereitet. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass der „kalte Strukturwandel“, der von Teilen der Politik als Konsequenz der oben genannten Entwicklungen öffentlich eingeräumt wird, kein akzeptabler Weg zur Lösung der Herausforderungen sein könne. „Es muss nicht nur kurzfristig mit erheblichen Einschränkungen bei der angemessenen Versorgung von Patienten gerechnet werden, es werden auch langfristig benötigte Infrastrukturen gefährdet, die dann nur mit hohen Kosten wiederhergestellt werden können“, sagt er.

Vinzenz von Paul Hospital Rottweil
„Auch wir unterstützen die Forderung der DKG nach einer sofortigen finanziellen Besserstellung der Krankenhäuser“, so Thomas Brobeil, Geschäftsführer des Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil. „Die unzureichende Investitionskostenfinanzierung macht den Krankenhäusern seit vielen Jahren zu schaffen. Aber die aktuellen Zuspitzungen in Form von Pandemieauswirkungen, hohen Inflationskosten und gestiegenen Personalkosten setzen der Problematik nun leider die sprichwörtliche Krone auf. Neben den finanziellen Problemen werden die eh schon knappen Ressourcen zusätzlich noch mit weiteren bürokratischen Vorgaben belastet, was zu einer weiteren finanziellen Belastung und zu großem Unverständnis in der Belegschaft führt.“

Jeder einzelne kann unterstützen
Die DKG rechnet mit einem Defizit der Kliniken in Deutschland von 10 Milliarden Euro bis Ende 2023. Die Krankenhäuser benötigen Unterstützung in ihren Forderungen, deshalb hat die DKG eine Online-Unterschriftensammlung ins Leben gerufen. Jeder einzelne kann seine Stimme abgeben und mit seiner Teilnahme zeigen, dass er die Aktion unterstützt. Diese ist online zu finden unter https://www.dkgev.de/fair/ihre-stimme-fuer-die-krankenhaeuser/.

Bild 1:
Mitarbeiter des Schwarzwald-Baar Klinikums formieren sich zu einem „SOS“.



Bild 2:

Dr. Matthias Geiser, Geschäftsführer des Schwarzwald-Baar Klinikums



Bild 3:

Dr. Sebastian Freytag, Geschäftsführer des Klinikums Landkreis Tuttlingen



Bild 4:

Thomas Brobeil, Geschäftsführer des Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil.

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