17/12/2025
Lebenserwartung trotz chronischer Leukämie-Erkrankung
Moderne Entwicklungen in der Onkologie
Villingen-Schwenningen. Im Schwarzwald-Baar Klinikum werden Patienten mit seltenen Erkrankungen behandelt. Dazu gehört beispielsweise die chronische myeloische Leukämie (abgekürzt CML) – eine Bluterkrankung, die früher tödlich verlief. Neuartige Medikamente können inzwischen eine Langzeitbehandlung ermöglichen, so dass trotz chronischer Erkrankung eine vergleichsweise normal hohe Lebenserwartung erreicht werden kann. Prof. Dr. med. Paul Graf La Rosée, Direktor der Klinik für Innere Medizin II: Onkologie, Hämatologie, Immunologie, Infektiologie und Palliativmedizin im Schwarzwald-Baar Klinikum, ist Studienleiter und Vertreter der Deutschen CML-Studiengruppe.
„Die rasante Entwicklung in der Onkologie ermöglicht es Patienten, besser verträgliche Medikamente mit teilweise noch besserem Wirkspektrum zu erhalten“, erklärt Prof. Graf La Rosée, Direktor der Klinik für Innere Medizin II: Onkologie im Schwarzwald-Baar Klinikum. „Durch die Medikamente lässt sich häufig eine Lebenserwartung wie bei der Normalbevölkerung erreichen.“
Einer dieser Patienten ist Dr. Wolfgang Baur aus Vöhringen. Er ist seit einigen Jahren betroffen und berichtet vom Beginn seiner Erkrankung: „Ich habe schon immer sehr viel Sport getrieben. Im Winter fahre ich Ski-Rennen in der Schweiz, im Sommer fahre ich lange Strecken mit dem Rad gemeinsam mit meiner Frau. Dass etwas nicht stimmt, habe ich erstmals 2013 gemerkt – trotz guter Vorbereitung konnte ich die gewohnten sportlichen Leistungen plötzlich nicht mehr abrufen. Der Blutcheck beim Hausarzt brachte die Gewissheit: Ich war an Leukämie erkrankt.“
Sein Weg führte ihn zunächst zum niedergelassenen Onkologen in Rottweil, wo er sich sehr gut betreut fühlte. Er wurde auf Medikamente eingestellt, die Behandlung schlug an, die Blutwerte verbesserten sich. Aber vier Jahre später bekam er die so genannte Schaufensterkrankheit, also einen peripheren Arterienverschluss, so dass das Blut nicht mehr ungehindert im Körper zirkulieren konnte. Das damalige Medikament musste abgesetzt werden.
Im Frühjahr 2017 kam er zur Behandlung ins Schwarzwald-Baar Klinikum, wo er als Patient an einer aktuellen Studie bei Prof. La Rosée teilnehmen konnte. In der Studie ging es darum, die Dosierung des Medikaments Dasatinib zu verringern – nur fünf Tage die Woche, nicht täglich – um bei gleich geringen Leukämiewerten die Verträglichkeit bei den Patienten zu verbessern. „Für mich war es das zweite Medikament. Damit gingen die Leukämiewerte erfreulicherweise ganz runter“, berichtet Baur aus dieser Zeit. „Aber später gab es Probleme, unter anderen einen Pleuraerguss, also Flüssigkeit im Brustkorb.“
Wie sich herausstellte, eine typische Nebenwirkung des Mittels. „Die Studie konnte sehr gut zeigen, dass die Zulassungsstudien moderner Medikamente trotz aller Sorgfalt der pharmazeutischen Industrie fortlaufend kritisch überprüft werden müssen“, so Prof. La Rosée. „Manche Nebenwirkungen tauchen erst einige Jahre später auf.“
Bei Dr. Baur konnte die Therapie der Leukämie durch den Einsatz eines kürzlich neu zugelassenen Wirkstoffes nochmals verträglicher gemacht werden. „Ein Erfolg“, so der Chefarzt. „Das ist schön zu sehen. Herr Dr. Baur ist ein guter Beispielpatient für die Langzeittherapie von Leukämien mit zielgerichteten Substanzen, die nicht Chemotherapie sind. Insgesamt viel verträglicher, dafür aber häufig Dauertherapie, welche sehr gut überwacht und betreut werden muss. Das ist ein Paradigmenwechsel in der Onkologie. Wesentlich ist, dass die Nebenwirkungen möglichst in Grenzen gehalten werden oder gut händelbar sind. Ansonsten kann Langzeittherapie für die Patienten auch sehr belastend werden.“
Dr. Baur treibt wieder Sport, fast wie früher, bevor seine Leukämie-Erkrankung begann. „Ich komme jetzt gut zurecht, darüber bin ich froh“, erzählt er. „Wichtig ist, dass man Vertrauen in die behandelnden Ärzte hat. Und dass man sich von Rückschlägen nicht rausbringen lassen darf.“
Bild:
Dr. Wolfgang Baur (rechts im Bild) ist regelmäßig bei Prof. Dr. med. Paul Graf La Rosée im Schwarzwald-Baar Klinikum zur Kontrolle.
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