Im Schwarzwald-Baar-Kreis beschäftigen wir uns - wie überall bundesweit - mit den Auswirkungen der Krankenhausreform. Bei den Überlegungen geht es um eine zukunftsorientierte und wirtschaftlich tragfähige Ausrichtung des Schwarzwald-Baar Klinikums. Die Reform hat unter anderem Folgen für den Klinikums-Standort Donaueschingen: Dieser muss so aufgestellt werden, dass das dortige Leistungsspektrum den Vorgaben des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG) entspricht.
Nachfolgend sind alle Informationen zum aktuellen Stand zu finden.
Aktuell geplante Veränderungen
Der Klinikums-Standort Donaueschingen wird zunächst zu einer orthopädischen Fachklinik.
Mehrere Fachabteilungen des Schwarzwald-Baar Klinikums werden vom Standort Donaueschingen an den Standort Villingen-Schwenningen umziehen – das Lungenzentrum mit der Intensivmedizin sowie die Altersmedizin. Diese Entscheidung hat der Aufsichtsrat des Schwarzwald-Baar Klinikums in der Sitzung am 25. September 2025 getroffen.
Darüber hinaus wird das Schwarzwald-Baar Klinikum am Standort Donaueschingen zukünftig keine Notaufnahme mehr betreiben (siehe auch „Zukünftige Notfallversorgung“).
Am Standort Donaueschingen werden zunächst weiterhin die Abteilungen für Dermatologie und Allergologie sowie die Psychosomatische Medizin, die Schmerzmedizin und das Kontinenzzentrum Südwest angesiedelt sein.
Der Kreistag und der Gemeinderat Villingen-Schwenningen haben im Mai 2026 beschlossen, dass der Klinikums-Standort Donaueschingen nach einer längeren Übergangsphase aufgegeben wird. Es wird ein Anbau am Klinikums-Standort Villingen-Schwenningen geplant. Nach Fertigstellung des Anbaus - gerechnet wird mit einer Dauer zwischen fünf und sieben Jahren - werden alle Fachabteilungen an den Klinikums-Standort Villingen-Schwenningen umgezogen werden.
Standort Donaueschingen – die Entscheidung
Bis Mai 2026 war noch offen, ob der Klinikums-Standort Donaueschingen als orthopädische Fachklinik dauerhaft geplant wird oder ob nach einer längeren Übergangsphase alle Fachabteilungen an den Klinikums-Standort Villingen-Schwenningen umgezogen werden. Die Entscheidung wurde im Mai 2026 vom Kreistag und vom Gemeinderat der Stadt Villingen-Schwenningen getroffen.
Hintergrund dafür ist das Ergebnis des vorliegenden WMC-Gutachtens, aus dem hervorgeht, dass es aus wirtschaftlicher Sicht am besten wäre, mittelfristig alle stationären medizinischen Leistungen von Donaueschingen nach Villingen-Schwenningen umzusiedeln.
Orthopädische Fachklinik
In der zukünftigen orthopädischen Fachklinik liegt der Fokus auf der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates. Als zertifiziertes Endoprothetikzentrum kümmert sich die Fachklinik beispielsweise um Knie- und Hüftoperationen. Zum Leistungsspektrum gehören außerdem die Kinderorthopädie und die Versorgung von Verletzungen. Es geht vor allem um elektive Fälle, also Patienten mit geplanten Terminen. Ein weiteres Standbein wird die Klinik für Dermatologie und Allergologie bleiben.
Auslöser der Veränderungen – zum Hintergrund
Es gibt zwei Auslöser für die Veränderung: Zum einen das neue Gesetz zur Krankenhausversorgungsverbesserung (KHVVG), die so genannte Krankenhausreform. Zum anderen ist es notwendig, das Schwarzwald-Baar Klinikum zukunftsfähig und finanziell solide aufzustellen.
Die Reform kommt zu einer Zeit, in der die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser sehr angespannt ist. Deshalb gibt es in vielen Kliniken momentan Überlegungen dazu, wie eine zukunftsorientierte und wirtschaftlich tragfähige Ausrichtung aussehen könnte.
Wirtschaftlichkeit als Voraussetzung für moderne medizinische Versorgung
Das Schwarzwald-Baar Klinikum setzt auf gute und zeitgemäße medizinische und pflegerische Versorgung. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss das Klinikum auch wirtschaftlich gut aufgestellt sein. Nur so ist es möglich, beispielsweise in fortschrittliche Behandlungsmethoden zu investieren oder moderne Geräte anzuschaffen. Davon profitieren die Patienten deutlich.
Ein modernes, wirtschaftliches tragfähiges Klinikum wird von Spezialisten und Fachpersonal aber auch als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.
Das Klinikum darf nicht dauerhaft auf Zuwendungen der Träger angewiesen sein, weil diese an anderer Stelle im Kreis fehlen.
Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG)
Mit der Reform wird sich die Finanzierung der stationären Versorgung in Deutschland grundlegend verändern. Krankenhausleistungen werden in so genannte Leistungsgruppen eingeteilt. Für die Leistungsgruppen werden bundesweit einheitliche Qualitätskriterien festgelegt, die erfüllt werden müssen. Die Idee dahinter: Die Qualität soll sich verbessern. Leistungen sollen nur in solchen Krankenhäusern erbracht werden, die über das notwendige Personal, eine angemessene apparative Ausstattung sowie weitere für die Behandlung erforderliche Fachdisziplinen verfügen. Ausnahmen hiervon sind beschränkt und nur zeitlich begrenzt möglich. Die Vorgaben sind vielschichtig. Die Krankenhäuser müssen sich auf die neuen Vergütungsregelungen und Qualitätskriterien einstellen. Das gilt auch für das Schwarzwald-Baar Klinikum mit seinen beiden Standorten in Villingen-Schwenningen und Donaueschingen und die strategische Ausrichtung seiner medizinischen Leistungsangebote.
Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG)
Im März 2026 wurde das Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform beschlossen (KHAG). Die strukturellen Vorgaben des KHVVG sind weitgehend unverändert – die so genannte Zwei-Kilometer-Regelung und die im Gesetz enthaltenen Vorgaben gelten weiter.
Geändert hat sich lediglich, dass der Übergang zur neuen Struktur flexibler gestaltet werden kann als bislang vorgesehen. Das Land Baden-Württemberg kann Ausnahmen erlauben, so dass Kliniken von den strengen Strukturvorgaben der Leistungsgruppen abweichen – allerdings maximal für eine Dauer von sechs Jahren. Aber ob und in welchem Umfang diese Erlaubnis vom Land erteilt würde, ist unklar.
Davon abgesehen gibt es gemäß dem KHAG noch keine genaue Fachklinik-Definition – die bisherige Regelung wurde gestrichen und wird bis 2029 neu festgelegt.
Der Klinikums-Standort Donaueschingen muss spätestens innerhalb der kommenden sechs Jahre gesetzeskonform aufgestellt werden. Diese Anforderungen zu erfüllen, bleibt zeitlich anspruchsvoll.
Dauerhafte Ausnahmen sind nur für Krankenhäuser, die für die flächendeckende Versorgung unabdingbar sind. Dazu gibt es eine Liste, die auf Bundesebene erstellt wird. In Anbetracht der dafür geltenden Kriterien – unter anderem die Bevölkerungsdichte – gäbe es nach Einschätzung des Schwarzwald-Baar Klinikums keine Chance, dass der Standort Donaueschingen eine Ausnahme bilden könnte.
Abbau von Doppelvorhaltungen
Es ist nicht das erste Mal, dass es Überlegungen zur Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt: Das Schwarzwald-Baar Klinikum hat bereits vor mehr als 20 Jahren die Voraussetzung für wirtschaftliches Arbeiten geschaffen, als beschlossen wurde, Doppelvorhaltungen abzubauen. Deshalb gibt es seit 2013 zwei Standorte anstatt wie ursprünglich sechs Standorte.
Aktuell verdeutlicht die Krankenhausreform, dass eine Zentralisierung von Kliniken politisch gewollt ist. Und eine Zentralisierung bietet nicht nur wirtschaftliche Vorzüge, sondern erhöht auch die medizinische Schlagkraft. Ein Zusammenlegen von Fachabteilungen hat mehrere Vorteile. Dazu gehört beispielsweise, dass Kompetenzen in den Fachbereichen an einem Ort gebündelt werden können. Fachabteilungen können noch einfacher interdisziplinär zusammenarbeiten.
Zukünftige Notfallversorgung
Das Schwarzwald-Baar Klinikum wird zukünftig am Standort Donaueschingen keine Notaufnahme mehr betreiben.
Die Versorgung schwerwiegender Notfälle bleibt unverändert: Bereits jetzt werden alle schwerwiegenden Notfälle nach Villingen-Schwenningen gebracht. Dazu gehören zum Beispiel Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Polytraumen nach schweren Verkehrsunfällen. Entscheidend für die Genesung ist im Krankheitsfall die Qualität der Versorgung.
Es gibt mehrere Notarztstandorte im Schwarzwald-Baar-Kreis. Das Angebot von Rettungswagen und Notarzt bleibt in Donaueschingen bestehen.
Zukunft – zwei Optionen waren möglich
Der Aufsichtsrat des Klinikums hatte sich intensiv mit dem Thema und möglichen Lösungswegen beschäftigt. Ein Gutachten durch Experten und verschiedene Prüfaufträge wurden in Auftrag gegeben. Mehrere Möglichkeiten wurden sorgfältig geprüft. Die Ergebnisse wurden im Aufsichtsrat besprochen und in der Gremiensitzung am 11. Oktober 2025 (Kreistag und Gemeinderat Villingen-Schwenningen) vorgestellt.
Sechs Möglichkeiten wurden genauer geprüft. Kriterien dabei waren gesetzliche Anforderungen, notwendige Investitionen, Kosten im laufenden Betrieb, Fördermöglichkeiten, Auswirkungen auf interne Abläufe und Organisation sowie Bedarfe der Klinikums-Beschäftigten. Vier der Möglichkeiten wiesen kein gutes Ergebnis in der Prüfung auf, so dass zwei Optionen übriggeblieben sind. Beide würden die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen.
Option 1:
Der Standort Donaueschingen würde langfristig als orthopädische Fachklinik betrieben werden.
Option 2:
Der Standort Donaueschingen würde als orthopädische Fachklinik geführt werden für die kommenden etwa fünf bis sieben Jahre. Ein Anbau am Standort Villingen-Schwenningen würde erstellt werden. Danach würden alle Fachabteilungen von Donaueschingen nach Villingen-Schwenningen umziehen.
Wenn man diese zwei Möglichkeiten miteinander vergleicht, hat sich gezeigt, dass die Option, bei der in ein paar Jahren alle Fachabteilungen an den Standort Villingen-Schwenningen umgezogen werden, weniger Kosten verursacht und damit besser zur wirtschaftlich angespannten Lage passt. Zudem würden sich Vorteile aus der Kompetenzbündelung und Spezialisierung ergeben.
Gebäude Standort Donaueschingen
Wenn der Standort Donaueschingen als orthopädische Fachklinik betrieben wird, ist der Platzbedarf geringer. Es wird weniger Fläche benötigt.
Sanierungsbedarf: Der Standort Donaueschingen wurde 1972 in Betrieb genommen. Wenn das 50 Jahre alte Gebäude in Donaueschingen langfristig – also nicht nur für wenige Jahre – als orthopädische Fachklinik genutzt werden sollte, stünde in den kommenden Jahren eine Generalsanierung an. Unter anderem müssten die Heizung, die Lüftung, die Fenster, die Fassade, der Brandschutz oder die Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert werden. Es wäre mit Kosten von mindestens 60 Millionen Euro zu rechnen. Damit würde die Generalsanierung am Standort Donaueschingen fast ebenso teuer wie ein Neubau. Die Generalsanierung würde notwendig sein, obwohl die Flächen nicht mehr in vollem Umfang benötigt würden.
Transformationsfonds
Die Modernisierung der Krankenhausstrukturen in Deutschland wird in den kommenden zehn Jahren mit insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro von Bund und Ländern gefördert werden. Gefördert werden beispielsweise die Bildung integrierter Notfallstrukturen oder das Zusammenlegen von Krankenhausstandorten. Auch die Schließung von Krankenhäusern gehört zum Fördertatbestand.
Ausblick
Es soll ein Anbau am Standort Villingen-Schwenningen geplant und umgesetzt werden. Nach Beschlussfassung durch die Gremien steigt das Schwarzwald-Baar Klinikum in die Planung ein. Außerdem wird das Klinikum damit beginnen, die Finanzierungsbedingungen und die Fördermöglichkeiten durch das Land Baden-Württemberg zu klären.
Gutachten
Nachfolgend sind die Ergebnisse des vom Schwarzwald-Baar Klinikum in Auftrag gegebenen Gutachtens zu finden:
Am 7. April 2026 veröffentlichte die Stadt Donaueschingen ein von ihr beauftragtes Gutachten zum Klinik-Standort Donaueschingen. Dieses bestätigt im Kern die Aussagen des oben aufgeführten, ursprünglichen Gutachtens. Und auch im Donaueschinger Gutachten wird die Konzentration der stationären Patientenversorgung auf den Standort Villingen-Schwenningen als aus finanzieller Sicht sinnvollste Option beschrieben.
Andere Möglichkeiten weiterzuverfolgen, würde eine entsprechende politische Entscheidung voraussetzen.
Infoveranstaltung am 15. April 2026
Das Landratsamt, die Stadt Villingen-Schwenningen und das Schwarzwald-Baar Klinikum haben gemeinsam zu einer weiteren Informationsveranstaltung in Form eines Info-Markts zur Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar-Kreis eingeladen.
Besucher haben die Möglichkeit, sich im Rahmen der Veranstaltung über den aktuellen Stand der Überlegungen zu informieren. Unter anderem werden beteiligte Fachleute anwesend sein.
Informations-Plakate:
> Wie sieht die Notfallversorgung in Zukunft aus?
> Warum müssen wir uns verändern?
> Standorte Villingen-Schwenningen und Donaueschingen
> Optionen
> Versorgungsstruktur
> Wirtschaftlichkeit in der Zukunft
> Welche Fragen wurden im Gutachten geprüft?
> Krankenhauspolitische Diskussionen in der Nachbarschaft
Infoveranstaltung am 11. Oktober 2025
Das Landratsamt, die Stadt Villingen-Schwenningen und das Schwarzwald-Baar Klinikum hatten gemeinsam zu einer Informationsveranstaltung zur Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar-Kreis eingeladen: Interessierte nutzten am 11. Oktober 2025 um 12.30 Uhr in der Neckarhalle in Villingen-Schwenningen die Gelegenheit, sich im Rahmen der Veranstaltung über den aktuellen Stand der Überlegungen zu informieren.
Nach einem moderierten Vortrag standen verschiedene Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung, außerdem gab es mehrere Informationsstände mit Plakaten zu wesentlichen Themen.
Informations-Plakate:
Wie sieht die Notfallversorgung in Zukunft aus?
Warum müssen wir uns verändern?
Standorte Villingen-Schwenningen und Donaueschingen
Optionen
Versorgungsstruktur
Wirtschaftlichkeit in der Zukunft
Dokumentation der Informationsveranstaltung