Innovative Technologien in der Viszeralchirurgie

Moderne Operationsmethoden zur Minimierung des Operationstraumas

Prof. Dr. med. Stefan Beckert, FEBS
Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie
Schwerpunkt Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie

Tel.: +49 7721 93-3301
Fax: +49 7721 93-93309
E-Mail: avc@sbk-vs.de

Die „Schlüsselloch-Chirurgie" also die Operation mit einem so genannten Endoskop und extrem verkleinerten Instrumenten durch Mini-Schnitte - wie durch ein Schlüsselloch  hat in der Bauchchirurgie bereits Ihren festen Platz. Viele Operationen werden heute standardmäßig mit diesem Verfahren durchgeführt. Es treten deutlich weniger Schmerzen wie in der offenen Chirurgie auf, und die Patientin, der Patient sind frühzeitig wieder in Bewegung und arbeitsfähig. Zudem treten weniger Verwachsungen und Narbenbrüche auf, was für den Langzeitverlauf einen entscheidenden Vorteil bietet. Die Weiterentwicklung sind die innovativen Verfahren mit Minimierung der Operationszugange und der Idee, natürliche Körperöffnungen für Operationsschritte bzw. zur Organbergung zu nutzen. Wir haben einige diese Methoden bereits fest in den Alltag integriert und etabliert. Zudem entwickeln wir diese Methoden weiter und beteiligen uns mit viel Elan an dem Fortschritt auf diesem Gebiet.


Hier wollen wir Ihnen einige der modernen Verfahren vorstellen:

Mini-Instrumente

Es stehen mittlerweile neue 3 mm Instrumente zur Verfügung, die ein fast narbenfreies Operieren ermöglichen. Die Instrumente können über dünne Führungshüllen ins Abdomen eingebracht werden. Es stehen Scheren, Fassinstrumente/Klemmen und Nadelhalter für Nähte zur Verfügung. Wir haben mit diesem Instrumentarium bereits Gallenblasenentfernungen und Dickdarmentfernungen durchgeführt. Limitierend ist eine starke Bauchdecke ebenso wie operative Eingriffe, die eine manuelle Traktion erfordern, da die Instrumente am Schaft sehr elastisch sind.

Notes

Bei diesem Verfahren werden Zugänge über natürliche Köperhöhlen (NOTES: Natural Orifice Transluminal Laparoscopic Surgery) als Bergezugang oder aber Operationseingang erschlossen. Enddarm und Magen werden hier hauptsächlich verwandt ebenso wie der Bauchnabel oder Scheide. Die kosmetischen Ergebnisse sind bemerkenswert!  Wir begannen 2007 mit der Durchführung der ersten laparoskopisch assistierten Gallenblasenentfernung über die Scheide (NOTES) und haben heute mehr als 150 Gallen auf diesem Wege entfernt. Es folgten die durch die Scheide geborgenen Divertikel-Därme, sowie die Bergung der Darmpräparate durch den Enddarm. Parallel hierzu wurden diverse Portsystem unterschiedliche Hersteller für Operationen an Gallenblase, Dick-/und Dünndarm, Magen verwandt u.a. im Rahmen der Übergewichtschirurgie

NOTES-Gallenblasenentfernung
Die Gallenblase ist von Ihrer anatomischen Lage im Oberbauch direkt unter der Leber gelegen. Der Goldstandart zur Entfernung dieses Organs bei Beschwerden und Steinleiden ist die laparoskopische Operation. Bei dieser Schlüssellochtechnik werden meist 4 Schnitte zum Einführen der Führungshülsen für Kamera und Instrumente gebraucht. Diese sind bis zu 2cm lang. (Abb.1) Die Gallenblase kann ebenso über einen Scheidenzugang entfernt werden. Hier werden Kamera und Halteinstrument über das hintere Scheidengewölbe eingeführt in einer Zone, die in der Frauenheilkunde lange als Standardzugang für Fertilitätsdiagnostik genutzt wurde. Ein drittes Instrument wird über den Bauchnabel eingeführt (5mm). Die dehnbare muskulöse Wand der Scheide ermöglicht das Entfernen auch großer Konkremente ohne eine sichtbare Schnitterweiterung. (Abb. 2) Mittlerweile wird diese Methode in unserer Klinik seit 2007 erfolgreich angewandt. Bitte fragen Sie danach bei der Aufklärung zu Ihrer Operation.

NOTES-Sigmaentfernung (transvaginal/transrektal)
Über den oben aufgeführten Zugang über die Scheide können auch größere Organanteile als die Gallenblase geborgen werden. So entwickelten wir die Methode weiter und sind heute in der Lage, über drei 5mm Schnitte Dickdarmanteile zu entfernen, sei es bei Entzündlichen Veränderungen oder aber kleineren Tumoren. Ist der Dickdarm aus seinen Verwachsungen gelöst und die zugehörigen Gefäße unterbunden, kann die Bergung des Präparates über die Scheide erfolgen. Beim Mann wenden wir eine ähnliche Technik an. Dabei wird die Bergung des Dickdarmanteils über den Enddarm vorgenommen. Es entfällt der bis zu 7cm lange Bergeschnitte im rechten Unterbauch.

SILS

Bei der SILS (Single Incision Laparoscopic Surgery) werden Hilfsmittel beim Zugang durch die Bauchdecke verwandt, sogenannte Portsysteme. Diese geben die  Möglichkeit, durch einen minimalen Zugang mehrere chirurgische Instrumente in die Bauchhöhle einzuführen.


SILS-Gallenblasenentfernung
Die Gallenblasenentfernung und -bergung kann auch durch den Bauchnabel erfolgen. Hierzu sind als  Operationshelfer sogenannte Ports erforderlich. Diese bestehen aus zwei Modulen. Zum einen der Teil, der den Durchtritt durch die Bauchdecke ermöglicht. Dieser kann je nach Hersteller als Folie oder Schaumstoff vorliegen. Ein zweiter Teil birgt die Operationszugänge. Nach zuvorigem Hautschnitt im Nabelbereich wird der Port eingeführt und die laparoskopische Operation durchgeführt. Die Gallenblase kann dann zusammen mit dem Portsystem entfernt werden. Der Zugang wird auf Hautniveau im Nabel vernäht, um ein möglichst ansprechendes kosmetisches Ergebnis zu erreichen.

SILS-Sigmaentfernung (transvaginal/transrectal)
Über den oben aufgeführten Zugang im Nabel kann auch die Bergung von anderen Organen und Organteilen erfolgen. Hierbei hat sich vor allem die Operation des linken Dickdarmanteils bewehrt. Hierbei sind keine weiteren Schnitte am Bauch erforderlich. Das einliegende Portsystem am Bauchnabel ermöglichrn das Einführen der Kamera sowie diverser Halteinstrumente und Scheren. Auch Klammernahtgeräte können so platziert werden. Der Bergeschnitt im linken Unterbauch entfällt ebenso, da hier der Nabel genutzt werden kann. Bitte fragen Sie auch bei Ihrer Operation nach der Möglichkeit minimalinvasiver Zugänge.


SILS-Magenschlauchanlage
Das Klinikum Villingen-Schwenningen bietet im zertifizierten Adipositaszentrum  zahlreiche operative Eingriffe zur Reduzierung von massivem Übergewicht an. Auch hier können neue Techniken zur Anwendung kommen. Die laparoskopische Operation ist im Gebiet der Übergewichtschirurgie Standard und so kann auch hier bei ausgewählten Patienten und Patientinen ein Portsystem zum Einsatz kommen. Die in der Regel benötigten 5 Schnitte an der Bauchhaut von 1-2cm können so auf einen Schnitte minimiert werden. Wir haben diese Methode bereits erfolgreich bei der Anlage von Schlauchmägen angewandt. (Abb.) Bitte lassen Sie sich beraten, ob dies Verfahren auch bei Ihnen möglich ist.

Spider

Beim „Spider“ handelt es sich um eine neuartige Operationsplattform. Ein ganz spezielles Instrumentarium, das auch komplexere Eingriffe durch den Nabel oder aber durch die Vagina möglich macht. Das Gerät lässt sich im Bauchraum langsam in alle Richtungen entfalten und kann an der Spitze bis zu 80 Grad abgewinkelt werden. Eine Lichtquelle mit Mini-Kamera sorgt für exakte Computerbilder. Durch die gute Beweglichkeit der Operationsarme und die gute Sicht am Bildschirm kann sich der Operateur im Bauchinneren zielsicher und frei bewegen. Man verspricht sich von diesem neuen NOTES-Verfahren weniger postoperative Schmerzen, geringere Infektionsraten sowie eine schnellere Genesung und kürzere Krankenhausverweildauer der entsprechend operierten Patienten. Narben- und Keloidbildung, Wundinfektionen und die Ausbildung von Narben-Brüchen sollen durch das Vermeiden von Hautschnitten verhindert werden. Bislang wird das System erfolgreich für Cholecystektomien sowie Sleevegastrektomien eingesetzt. Wir möchten dieses Indikationsspektrum um transvaginale Koloneingriffe erweitern. 2013 wird dieses Gerät auch in unserer Klinik seinen Einatz behaupten müssen und sich hoffentlich zugunsten des Patienten etablieren.

Kontakt

Diese geschilderten Operationsverfahren haben sich bereits im Schwarzwald-Baar Klinikum etabliert. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen zur Verfügung:

Schwarzwald-Baar Klinikum
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Prof. Dr. med.
Stefan Beckert, FEBS
Klinikstraße 11
78052 Villingen-Schwenningen

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