Künstlicher Darmausgang

Ein fast normales Leben ist damit möglich

Prof. Dr. med. Stefan Beckert, FEBS
Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Facharzt für Viszeralchirurgie
Schwerpunkt Spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie

Tel.: +49 7721 93-3301
Fax: +49 7721 93-93309
E-Mail: avc@sbk-vs.de

Das griechische Wort Stoma bedeutet Mund oder Öffnung. Damit ist in der Medizin die chirurgisch geschaffene Verbindung zwischen einem Hohlorgan und der Haut gemeint. Am bekanntesten ist der künstliche Darmausgang: Hier dient ein Stoma der zeitweiligen oder ständigen Ableitung von Gas und Stuhl aus einem Darmabschnitt durch die Bauchdecke. Die modernen Formen von Versorgungssystemen ermöglichen den Betroffenen trotz der neuen Lebenssituation einen nahezu normalen Alltag und eine hohe Lebensqualität. Künstliche Ausgänge können auch in anderen Organen gelegt werden, zum Beispiel in der Blase (Urostoma) oder in der Luftröhre (Tracheostoma).

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Künstliche Darmausgänge können je nach Indikation am Dünndarm (Ileostoma), am Dickdarm (Kolostoma) und am Magen (Gastrostoma) angelegt werden. Die Indikationen zur Anlage eines Dünndarmstomas sind Schutz der Darmnaht nach Dickdarm-/ Mastdarmoperationen oder vollständige Entfernung des Dickdarms aufgrund einer Chronisch Entzündlichen Darmerkrankung.

Ein Dickdarmstoma wiederum wird als „Notfallausgang“ bei Darmverschlüssen angelegt. Dies kann bei Krebserkrankungen, bei Behinderung der Stuhlpassage oder bei schwerer Stuhlkontinenz nötig werden.

Eine Gastrostoma wird bei dauerhaften Schluckstörungen oder Tumoren im oberen Verdauungstrakt oder Halsbereich angelegt. Bei der sogenannten Perkutanen Endoskopischen Gastrostomie (PEG) wird per Magenspiegelung unter lokaler Betäubung eine Sonde durch die Bauchwand in den Magen eingeführt. Die PEG dient der Verabreichung von Flüssigkeit, Sonden-Nahrung und Medikamenten.

Verfahren

Man unterscheidet  zwei Arten von Enterostomas: „Endständige Stomata“ bilden das Ende des aktiven Verdauungstrakts und sind in der Regel bleibende künstliche Darmausgänge. Der Chirurg zieht dabei die obere Darmschlaufe durch die Bauchwand an die Körperoberfläche und näht sie ein. Ein kleines Stückchen Darm steht danach vor. Zur Anlage eines doppelläufigen Darmausgangs zieht der Arzt eine Darmschlinge durch die Bauchhaut und schneidet sie auf. Die beiden Darmöffnungen, die nun außen liegen, werden in die Bauchhaut eingenäht. Es gibt dann zwei Darmausgänge. Der Teil des Darms unter dem Stoma wird entlastet, da er keinen Stuhl mehr ausleitet. Diese Stomata dienen dazu, die Darmpassage zu unterbrechen. Sie sind meistens nur vorübergehend angelegt.

In beiden Fällen erfolgt die unwillkürliche Stuhlentleerung in ein Beutelsystem. Um den Patienten bestmöglich zu unterstützen, wird ihm eine speziell ausgebildete Fachkraft – die Stomafachschwester (Entereotherapeutin) – zur Seite stehen. Schon vor der Operation findet der erste Kontakt mit ihr statt. Zusammen mit dem Patienten wird sie das geeignete Versorgungssystem aussuchen und ihn ausführlich dazu beraten. Auch die zukünftige passende Stomastelle wird ausgesucht und für den Chirurg markiert. Nach der Operation hilft die Stomafachschwester dem Patienten, sich mit der neuen Lebenssituation zurecht zu finden. In der Regel ist nach einer Eingewöhnungszeit auch mit einem künstlichen Darmausgang ein nahezu normaler Alltag möglich.

Kontakt

Schwarzwald-Baar Klinikum
Wund- und Stomazentrum
Prof. Dr. med.
Stefan Beckert, FEBS
Klinikstr. 11
78052 Villingen-Schwenningen

Wund- und Stomatherapeutin
Mechthilde Birk
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