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Gut zu wissen
11/11/2021
Prostatakrebs vorbeugen und behandeln: Das sollten Männer wissen
Prostatakrebs ist bei Männern die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Das Fatale: Bösartige Tumore der Vorsteherdrüse entwickeln sich meist unbemerkt. Unser Experte Prof. Dr. med. Alexander Lampel, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Schwarzwald-Baar Klinikum und Leiter des Prostata-Karzinom-Zentrums in Villingen-Schwenningen, gibt Tipps zur Vorbeugung und Behandlung.
Was ist Prostatakrebs?
„Bei Prostatakrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt", erklärt Prof. Lampel. Das innere männliche Geschlechtsorgan hat die Form einer Kastanie und liegt direkt unterhalb der Blase. Zu den wichtigsten Aufgaben der Prostata gehört die Bildung eines Teils der Samenflüssigkeit. Trotz seiner Häufigkeit wird Prostatakrebs oft unterschätzt: Jedes Jahr diagnostizieren Ärzte über 58.000 Neuerkrankungen, mehr als 12.000 Männer in Deutschland sterben jährlich an den Folgen der Krankheit.

„Wenn direkte Verwandte wie der Bruder, der Vater oder Onkel väterlicherseits Prostatakrebs haben oder hatten, ist das Risiko deutlich erhöht", so der Experte. Auch fortgeschrittenes Alter ist ein Risikofaktor. Im Frühstadium gibt es in der Regel keine Warnsignale. „Zu Symptomen wie Störungen beim Wasserlassen kommt es erst, wenn der Tumor bereits weit fortgeschritten ist." Früherkennung von Prostatakrebs ist daher von entscheidender Bedeutung.

Prostatakrebs: Tipps zur Vorbeugung
Auch wenn Männer die Hauptrisikofaktoren wie genetische Veranlagung und Alter nicht beeinflussen können: „Zur Vorbeugung gegen Prostatakrebs empfehle ich einen gesunden Lebensstil", betont der Chefarzt. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung. Außerdem sei es wichtig, auf ein normales Körpergewicht zu achten und regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

1. Viel Gemüse und wenig rotes Fleisch essen
Der Schwerpunkt der Ernährung sollte auf pflanzlichen Lebensmitteln liegen. „Frisches Obst und Gemüse enthalten viele Flavonoide, sekundäre Pflanzenstoffe, die schützend auf die Prostata wirken", so der Experte. Auch Lebensmittel mit Phytoöstrogenen sind vorteilhaft. „Sojabohnen enthalten beispielsweise viele Isoflavonen." Die pflanzlichen Inhaltsstoffe ähneln den Östrogenen und helfen dabei, den Hormonhaushalt zu regulieren. Der Konsum von rotem Fleisch, zum Beispiel Rind oder Schwein, sollte hingegen reduziert werden. Prof. Lampel sagt: „Ein übermäßiger Verzehr wirkt sich negativ auf die Geschlechtshormone aus. Stattdessen sollte man besser helles Geflügelfleisch wählen."

2. Körperliche Aktivität
Studien zeigen: Um das Krebsrisiko zu senken, sind auch Sport und Bewegung von zentraler Bedeutung. „Es reicht schon, wenn Sie sich zweimal am Tag mindestens 15 Minuten bewegen", so der Mediziner. Das muss nicht zwangsläufig Joggen sein: Auch Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking oder Wandern wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Ideal ist ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining.
3. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
„Die erste Vorsorgeuntersuchung sollte zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr erfolgen", sagt Prof. Lampel. Männer ab dem 45. Lebensjahr können einmal im Jahr die Leistungen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms in Anspruch nehmen. Neben einem Gespräch mit dem Arzt gehören auch die Untersuchung der Geschlechtsorgane sowie der Lymphknoten in der Leiste und das Abtasten der Prostata dazu. Mit der sogenannten digital-rektalen Untersuchung (DRU) können oberflächlich gelegene und größere Karzinome gefunden werden.

Außerdem besteht die Möglichkeit, den PSA-Wert bestimmen zu lassen. „PSA steht für das prostataspezifische Antigen: Das Eiweiß wird von den Prostatazellen produziert und dient zur Verflüssigung des Samens", erklärt der Experte. Ein PSA-Wert unter vier Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) gilt als normal. Der Chefarzt betont jedoch, dass man immer auch den Verlauf des Werts im Blick haben sollte: „Steigt der PSA-Wert innerhalb eines kurzen Zeitraums deutlich an, kann das ebenfalls ein Anzeichen für Prostatakrebs sein."

Eine weitere Abklärung ermöglicht die multiparametrische Magnetresonanztomografie, kurz mpMRT. Mit dem modernen Bildgebungsverfahren können schon kleinste Veränderungen des Gewebes der Prostata sichtbar gemacht werden. Der Chefarzt ergänzt: „Wird ein tumorverdächtiger Herd ausgemacht, können wir anschließend gezielt eine Gewebeprobe entnehmen". Die Biopsie kann letztlich Gewissheit bringen, ob Prostatakrebs vorliegt oder nicht.

Therapie bei Prostatakrebs

Ist die Diagnose Prostatakrebs gesichert, kommen je nach Bösartigkeit und Ausbreitung des Karzinoms verschiedene Behandlungsmethoden in Frage. Bei Tumoren, die auf die Prostata beschränkt sind, bieten sich lokale Therapiemaßnahmen wie Operation oder Strahlentherapie an. „Bei uns im Klinikum operieren wir seit einigen Jahren minimalinvasiv mit dem da Vinci-System. Damit erreichen wir hervorragende Ergebnisse des Kontinenzerhalts und der Potenzschonung", sagt Prof. Lampel. Haben ältere Patienten nur sehr kleine Karzinome, besteht auch die Möglichkeit eines rein abwartenden Vorgehens. Hat sich ein Tumor bereits in andere Organe ausgebreitet, werden meist eine Hormontherapie und später eine Chemotherapie eingesetzt. „Im Prostata-Karzinom-Zentrum in Villingen-Schwenningen informieren wir die Patienten über sämtliche vorhandene Therapiemöglichkeiten und arbeiten einen individuellen Therapieplan aus."

Unser Experte:


Prof. Dr. med. Alexander Lampel
Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie
Facharzt für Urologie
Schwerpunkt: medikamentöse Tumortherapie, Andrologie

 

Weitere Informationen:
Prostata-Karzinom-Zentrum

Klinik für Urologie und Kinderurologie

Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

 

Kontakt:
Schwarzwald-Baar Klinikum
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Prof. Dr. med. Alexander Lampel
Klinikstr. 11
78052 Villingen-Schwenningen
Tel.: 07721 93-3374

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